Das unsoziale Gesichtsbuch und warum Prinzipien wichtiger sind

Facebook bezeichnet sich selbst als „soziales“ Netzwerk und ist in der heutigen Zeit das „must have“ wenn es um Kommunikation geht. Es vereint Menschen weltweit in einem Konstrukt aus Träumen und Realität. Warum mein Traum von Facebook zu Ende geht, möchte ich in ein paar Zeilen erklären.

Angefangen habe ich wie jeder private Nutzer mit dem Posten einiger Fotos, einiger News und dem füllen der Freundes“LISTE“.

Eine LISTE für Freunde. Fällt euch etwas auf? Wir sind in einer Zeit angekommen, in der man LISTEN für Freunde hat. Ich meine klar, viele von den Usern können sich, die oft mehr als 100 Freunde nicht beim Namen merken. Da ist es schon hilfreich ab und zu ein aktuelles Urlaubsfoto auf die Pinnwand geschissen zu bekommen. „Ahhh, Du bist doch der, der letztes Jahr in New York war und ein Eis gegessen hat. Oder verwechsel ich Dich gerade mit dem Typen der sich in der Türkei 2016 eine neue Sonnenbrille gekauft hat?“. Ach ich weiß es einfach nicht mehr aber Du stehst definitiv ganz oben auf meiner „LISTE“ weil wir nämlich richtig dicke sind.

Facebook bietet Raum für FakeNews (seit 2016 auch in der Presse angekommen), Hass, Mobbing und und und…. dies ist alles andere als Sozial. Das Buch kann natürlich immer nur so sozial sein, wie die Leute, die es füllen. Ich habe in meiner Zeit bei Facebook einiges erlebt, aggressive Verhaltensweisen, ungeschützte Privatsphären, Respektlosigkeit, Aufrufe zu Straftaten und und und…. ich persönlich stelle mir die Frage, was ist unsozialer? Ist es der User oder ist es die Möglichkeit des Users, anonym unsozial sein zu können?

Letztlich spielt es keine Rolle. Entscheidend ist warum wir Facebook öffnen und nutzen. Der Eine nutzt es um Oma Erna einen Gruß zu schreiben, der andere um sein Essen mit der ganzen Welt zu teilen. Doch davon bekommen wir kaum noch etwas mit weil die Werbemaschinerie Facebook schon angelaufen ist. Wir werden bombadiert mit Werbung und Umfragen, wir verlieren den Blick auf das Wesentliche, auf das Wichtige, auf die Menschen. Ich habe vor kurzem gelesen, dass es für den heutigen Durchschnittsbürger eine Herausforderung darstellt, einen Satz mit mehr als 140 Zeichen zu erfassen. Eine SMS besteht aus 140 Zeichen. Einhundertundvierzig Zeichen für jemanden aus Deiner Freundes“LISTE“. Drück Dich aus in 140 Zeichen. Natürlich wird aus dem Satz „Wollen wir heute zusammen ins Kino gehen und gemeinsam einen Film aussuchen?“ dann „Bock Kino Du guckst wegen Film?. Wir beschweren uns über eine Gesellschaft an der wir eifrig mitarbeiten. Früher ging es darum sich mehr zu bewegen weil die Technik alles einfacher und bequemer macht, heute geht es darum, sich zu bilden weil Medien und Plattformen wie Facebook aktiv zur Volksverdummung beitragen.

Vor 3 Monaten habe ich angefangen meinen Facebook-Kosum zu ändern und es ging mir von Tag zu Tag besser damit. Ja, besser. Ich selbst kann Facebook für mich, nach 3 Monaten „ohne“, als Krankheit sehen. Facebook macht unglücklich. Facebook lenkt ab. Facebook ist nicht sozial. Facebook ist mächtig. Ja, Facebook verändert. Allerdings nicht die Welt, sondern den User.

Facebook das Werbemedium.

Ja, ich muss zugeben, ohne Facebook wäre ich wohl nicht so schnell dort gewesen, wo ich vor einigen Monaten mit meiner Fotografie stand. Ich habe Facebook genutzt um meine Fotos bekannter zu machen. Ja, auch ich habe ab und zu mal Geld in die Hand genommen um die Reichweite meiner Beiträge zu erhöhen. Das hatte unzählige Copyright Verstösse zur Folge. Hier kommen wir wieder zum User des „sozialen“ Netzwerkes, denn nicht Facebook bricht das Kopierrecht, sondern diese Menschen, die der Meinung sind auf Facebook tun und lassen zu können was sie möchten. Man sollte in diesem Fall meinen, als Werbetreibender auf Facebook etwas mehr Support zu bekommen als der normale User. Das meine Damen und Herren, ist ein Trugschluss. Facebook interessiert es einen feuchten Dreck ob Deine Werbemaßnahme fehlerfrei lief oder es technische Probleme gibt. Technische Probleme seitens Facebook wohlgemerkt. Schnell durfte ich auch feststellen, dass die Qualität der Menschen die man erreicht, gleichzusetzen ist mit dem Support von Facebook.

Jeder der mich etwas kennt, weiß, dass ich ein Mensch mit Prinzipien bin. Gerade die Pole Sportler können ein Lied davon singen. Ja, ich habe mich nie versteckt und bin keiner dieser Fotografen geworden die alles vergessen sobald es um Geld geht. Bei mir kommt niemand mit eine USA Flagge vor die Kamera, bei mir gibts keine AFD, CDU, SPD oder was weiß ich für politische Symboliken. Und wenn ich der Meinung bin, dass man zum Sport keine Dessous trägt, ja dann kommst Du eben auch nicht halbnakt vor meine Kamera.  Aufgrund dieser Aussagen, wurden mir sogar Shootings abgesagt. Man muss sich das mal vorstellen. Es geht um Deine Arbeit aber eine Meinung darfst Du nicht haben. Letztlich musst Du also einfach Massenkompatibel sein und das gilt ganz besonders auf Facebook.

Und genau so verabschiede ich mich nun von Facebook und verzichte auf das aktuell wohl wertvollste Marketinginstrument.

In früheren Facebook-Posts habe ich erklärt, mit dem Fotografieren aufzuhören. Dafür gab es mehrere Gründe, auf die ich nicht weiter eingehen möchte. Allerdings konnte ich mich, durch Gespräche mit Freunden (die auf keiner Liste stehen), darauf besinnen warum ich angefangen habe zu Fotografieren. Ich werde weiter machen. Noch ist nicht ganz klar in welche Richtung das alles laufen wird und ich bitte die Verwirrung zu entschuldigen.

Klar ist nur eines, die Gesellschaft braucht Kritik und wenn nicht jeder Einzelne von UNS JETZT damit anfängt, nachdenkt, und hinterfragt, dann braucht sich am Ende niemand beschweren. Es ist ähnlich wie beim Sport. Wir können davon träumen irgendwann Sport zu machen um eine schönere Figur zu bekommen, solange wir aber nicht anfangen, bleibt es ein Traum. Macht es euch unbequem, denn so ist Veränderung, unbequem.

error: If you need a picture, message me! Thank you!